3 Rheinland


Rheinland

Rhein|land, das; -[e]s:
Gebiet zu beiden Seiten des Mittel- u. Niederrheins (Abk.: Rhld.)

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Rheinland,
 
die Gebiete beiderseits des Mittel- und Niederrheins, besonders die ehemalige preußische Rheinprovinz.
 
 
Die Eroberung Galliens und des linksrheinischen Germaniens durch Caesar machte den Unterlauf des Rheins zur Grenze des Römischen Reichs. Der Schwerpunkt des Frankenreichs, das die Römerherrschaft ablöste, verlagerte sich vom späteren Frankreich allmählich an den Rhein zurück. Nach kurzer Zugehörigkeit zum lotharingischen Mittelreich fiel das Rheinland im Vertrag von Meerssen 870 an das Ostfränkische (später Heilige Römische) Reich, bei dem es seit 925 definitiv blieb. Das Rheinland gehörte danach zu den Herzogtümern Nieder- und Oberlothringen sowie Franken.
 
Nach dem Untergang der Staufer im 13. Jahrhundert zerfiel es in zahlreiche Territorien, die geistlichen Fürstentümer Köln, Trier, Mainz, Speyer und Worms, die Herzogtümer Geldern und Jülich, die Grafschaften Kleve, Berg, Moers, Sponheim, die Kurpfalz u. a. Seit dem 17. Jahrhundert drang Brandenburg-Preußen an den Rhein vor: 1614 Erwerb von Kleve, 1702 von Moers und 1713 des Oberquartiers Geldern. Im Westfälischen Frieden 1648 erwarb Frankreich die ersten Gebiete im Elsass, die Ludwig XIV. besonders durch die Reunionen erweiterte, 1735-66 Lothringen, 1795/1801 das linke Rheinufer (bis 1814/15); der Rheinbund sollte den Besitz des Rheinlands festigen. Nach den Befreiungskriegen 1813-15 wurden aus den an Preußen gekommenen Gebieten die Provinz Jülich-Kleve-Berg und Niederrhein, die 1824 zur Rheinprovinz vereinigt wurden.
 
Das Rheinland war schon früh ein industriell hoch entwickeltes Gebiet mit Bergbau auf Eisen, Buntmetalle, Kohle sowie zum Teil stark spezialisiertem Gewerbe. Im 19. und 20. Jahrhundert nahmen Schwer-, Textil-, später auch chemische Industrie einen gewaltigen Aufschwung.
 
Im Frankfurter Frieden (1871) wurden das Elsass und ein Teil Lothringens von Deutschland annektiert (Reichsland Elsass-Lothringen); im Versailler Vertrag (1919) kamen diese Gebiete wieder an Frankreich. Belgien erhielt 1919 Eupen, Malmedy und Moresnet. Das Saargebiet wurde für 15 Jahre der Treuhandverwaltung des Völkerbundes unterstellt. Truppen der Siegermächte besetzten die linksrheinischen Teile des Rheinlands (Errichtung der Brückenköpfe Köln, Koblenz, Mainz). Die Gebiete links des Rheins sowie ein 50 km breiter Streifen rechts des Rheins erklärte der Vertrag zur entmilitarisierten Zone. Die von Großbritannien, Frankreich, den USA und Belgien eingesetzte »Interalliierte Rheinlandkommission« übte die politische Oberhoheit über das Rheinland aus. Die deutsche Reichsregierung ernannte zur Vertretung der deutschen Interessen einen Reichskommissar für die besetzten Gebiete. 1921 besetzten alliierte Streitkräfte auch verschiedene rechtsrheinische Städte, 1923 große Teile des Ruhrgebietes. Das gesamte besetzte Gebiet wurde durch eine Zoll- und Passgrenze vom Deutschen Reich abgetrennt. Darüber hinaus unterstützte Frankreich separatistische Gruppen (Ausrufung einer »Rheinischen Republik«, 1919 und 1923), die jedoch in der Bevölkerung des Rheinlands nur geringen Widerhall fanden. Im Zuge französisch-deutscher Verhandlungen räumten die alliierten Truppen die besetzten Gebiete 1926 (1. Zone) und 1930 (2. und 3. Zone). Nach einer Volksabstimmung wurde das Saargebiet 1935 wieder dem Deutschen Reich eingegliedert (Saarland, Geschichte). Unter Bruch v. a. des Versailler Vertrags und der Locarnoverträge (1925) rückten 1936 deutsche Truppen auf Befehl Hitlers in die entmilitarisierte Zone des Rheinlands ein.
 
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Rheinland auf die neu geschaffenen Länder Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg aufgeteilt. Das aus dem deutschen Staatsverband 1945 herausgelöste Saargebiet kam 1956/57 als Saarland an die Bundesrepublik Deutschland.
 
 
R. Morsey: Die Rheinlande, Preußen u. das Reich 1914-1945, in: Rhein. Vjbll., Bd. 30 (1965);
 E. Bischof: Rhein. Separatismus. 1918-1924 (Bern 1969);
 
Rhein. Gesch., hg. v. F. Petri u. a., auf mehrere Bde. ber. (1978 ff.);
 
Geschichtl. Atlas der Rheinlande, hg. v. F. Irsigler, auf zahlr. Tle. ber. (1982 ff.);
 
Franzosen u. Deutsche am Rhein. 1789 -1918 -1945, hg. v. P. Hüttenberger u. a. (1989);
 F. A. W. Diesterweg: Die preuß. Rheinprovinzen, hg. v. K. Goebel (1990).
 

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Rhein|land, das; -[e]s: Gebiet zu beiden Seiten des Mittel- u. Niederrheins (Abk.: Rhld.).

Universal-Lexikon. 2012.

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